04.11.2018 - Auf dem Camino del Norte...

Bisher zurückgelegte Strecke: 24 Km
Tagesetappe: 52 Km
Von Bilbao nach Castro-Urdiales
Gesamte Strecke auf dem Camino: 76 Km

Es ist Sonntagmorgen und ich kann verhältnismäßig lange Ausschlafen. Sind wohl alles keine Jakobspilger, mit denen ich mir das Zimmer geteilt habe.
Einige sind auch erst spätabends oder besser früh aus der Stadt zurück gekehrt und müde.
Das merkt man daran, dass alle fünf Minuten irgendein Smartphone klingelt und wieder ausgestellt wird.
Gegen Acht halte ich es nicht mehr aus und packe meine Sachen. Nachdem ich dann alles auf meinem Rad verstaut habe nutze ich die zum Hostel gehörende Bar für ein kleines Frühstück. (Bar ist auf keinen Fall mit dem bei uns gebräuchlichen Begriff zu verwechseln. Hier in Spanien ist es eine fast schon soziale Einrichtung, in der man Morgens seinen Kaffee mit etwas Süßem, Mittags ein Bocadillo, eine Art Baquettesandwich und Abends eben ein alkoholisches Getränk mit ein paar "Schnittchen" zu sich nimmt.)

Nach der Stärkung geht es los. Vorbei am Guggenheim-Museum folge ich dem Fluss, der die Stadt mit dem Atlantik verbindet. In früheren Zeiten führen auf diesem Gewässer grosse Schiffe, die die weitreichenden Industriebereiche mit all dem Dingen versorgten, die dort verarbeitet wurden.
Heute sind die meisten Industriekomplexe zurückgebaut oder umgenutzt.
Zumindest in diesem Bereich. Bilbao ist nach wie vor ein der größten Industriestädte Spaniens.
Auf meiner Strecke begegnet mir nun der frühsportliche Spanier. Seien es die Ruderer auf dem Fluss, die Rennradler, die mich überholen oder die vielen Jogger oder Rentner in Sportschuhen, die ihr Fitnessprogramm abspulen.

Kurz bevor der Nervión, der Fluss Bilbaos, in den Golf von Biscaya mündet stosse ich auf ein Industriedenkmal. Es ist die riesige
Schwebefähre, die die beiden Uferseiten des Nervión verbindet.
Hier hängt eine Fähre, bis zu zehn Fahrzeuge haben auf ihr Platz, an langen Stahlseilen an einer Stahlkonstruktion und wird hin und hertransportiert. Ich gönne mir den Spass und fahre auch Mal darauf von Ufer zu Ufer.

Dann geht es aber weiter. Durch langsam erwachenden fahrend schwenke ich nun leicht in Richtung Westen ab und folge nun der Küstenlinie. Ich komme dabei dem Meer mal näher, mal weniger nah.
Immer in Abhängigkeit von der Geographie der mich begleitenden Erhebungen.
Meist am Rande der Landstrasse, den Radwege sind wirklich Mangelware in Spanien, gelange ich an mein heutiges Ziel.

Castro Urdiales, ein kleiner Fischerort, erreiche ich beim Dunkelwerden. Da die erste der örtlichen Pilgerherbergen nicht zu finden ist oder gar nicht mehr existiert und die zweite nur geöffnet hat wenn man den Hospitalero erwischt buche ich mir ein kleines Zimmer in einer billigen Pension.
Auch hier muss ich erst die Vermieterin anrufen und darauf warten, dass sie mich reinlässt. Zum Glück kann ich das Fahrrad mit aufs Zimmer nehmen, da es zum Abstellen keine Räumlichkeiten gibt.
Bei diesen günstigen Pensionen handelt es sich meistens um grosse Wohnungen, die in Wohnhäusern liegen und so weiter vermietet werden.

Es folgt dann noch ein kleiner Rundgang durch das Örtchen und ich gönne mir noch ein Abendessen in einem Lokal.

Noch kommt das eigentliche Herbergs-Camino-Feeling nicht auf.
Naja, kann ja noch kommen.

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